Die Alte Feuerwache Weimar

Allgemeine Informationen

Die Bürgerinitiative „Alte Feuerwache Weimar e.V.“ erwarb 2019 das Gelände der ehemaligen Feuerwache Weimar im Konzeptverfahren. Das Gelände wurde umgebaut zu selbstverwaltete Mietwohnungen für Jung und Alt. Zusätzlich gibt es Flächen für Gewerbe.

Zielgrößen

  • Ökonomisch
  • Ökologisch
  • Sozial

Inhaltlicher Fokus

  • Stadt- / Quartiersentwicklung

Art der Innovation

  • Ökologisch
  • Sozial
  • Ökonomisch

Finanzierung

  • Private Förderung (Stiftung, Vereine u. Ä.)
  • Keine Verstetigung

Zusammenarbeit

Art der Zusammenarbeit der Projektbeteiligten

Das Projekt wird gemeinsam gestaltet. Beispielsweise teilt eine Organisation oder ein kooperatives Netzwerk die Entscheidungsfindung und ermöglicht Innovationen – durch die Einbettung von Co-Creation in organisatorische Aktivitäten und Führungsstrukturen –, sodass auch der Prozess gemeinsam gestaltet wird.

Einbindung der Gesellschaft

Die organisierte Zivilgesellschaft und/oder die lokale Gesellschaft arbeitet mit den Projektdurchführenden zusammen; die Entscheidungsmacht liegt bei der organisierten Zivilgesellschaft und/oder der lokalen Gesellschaft.

Akteurs­konstellation

Akteure aus der Wirtschaft

Organisation und Entscheidungsfindung

Akteurs­konstellation im Projektalltag

Beschlüsse werden im Plenum getroffen, hinsichtlich des Bauvorhabens werden Aufträge gegenüber den Planungsbüros für die Durchführung freigegeben. Bei Bietergesprächen sind fachkompetente Personen des Projektes anwesend und entscheiden mit.

Organisation des Projektes

Das Projekt ist soziokratisch organisiert. Alle Aufgaben sind Arbeitskreisen zugeordnet und werden dort bearbeitet. Über das Ergebnis bzw. zu Handlungsoptionen entscheidet das Plenum, was wöchentlich zusammentrifft. Die Arbeitskreise sind mit Personen aus dem Projekt entsprechend ihren Kompetenzen besetzt (Planung, Bau, Finanzen & Verträge, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation, Belegung und temporär gegründete Arbeitskreise für einzelne Aufgaben)

Absprachen und Entscheidungen

Entscheidungen werden gemeinsam im Plenum getroffen in 5 Entscheidungsstufen (Veto, schwere Bedenken, leichte Bedenken, Enthaltung, Zustimmung). Nach außen unterschriftsberechtigt sind gemäß Handelsregistereintrag die Geschäftsführer*innen.
 

Ergebnis & Wirkung

Ergebnisse und Wirkungen in Bezug auf Bezahlbarkeit sowie auf weitere ökologische und soziale Zielgrößen

Das Projekt erwirtschaftet nur so viel Miete, wie es für die Darstellung der Finanzierung und den standardmäßig erforderlichen Rücklagen nötig ist. Das Projekt ermöglicht somit den Mietenden in Zukunft stabile Mieten. Durch die Anbindung an das Mietshäuser Syndikat ist ein Wiederverkauf und damit eine „Rückgabe“ der Immobilie an den Immobilienmarkt ausgeschlossen.
Circa die Hälfte des Hofes wird noch im Jahr 2026 entsiegelt und zu einer Gartenfläche für die Bewohnenden umgestaltet.
Bezüglich sozialer Größen haben wir eine bunte Durchmischung bei den Wohnenden umgesetzt, von Singlehaushalten, Familien mit Kindern, WGs und Wohnraum für Menschen mit Behinderung. 2 Wohnungen sind komplett barrierefrei gebaut und mit Fahrstuhl erreichbar, weitere sind in der Ausstattung barrierearm.
 

Berücksichtigung der EU-Taxonomie und ESG-Kriterien

Unser Projekt will bezahlbaren Wohnraum schaffen und orientiert sich gleichzeitig an der EU-Taxonomie und denn ESG-Kriterien. Es wurden Energieeffizienzstandards gemäß den KfW-Programmen umgesetzt, eine Heizung (für das gesamte Quartiersprojekt) überwiegend mit nachwachsenden Rohstoffen (Pelletheizung) sowie Photovoltaik und Solarthermie realisiert. Die Neubauten wurden ebenfalls in Vollholz, als nachwachsender Rohstoff, errichtet. Wo es möglich war, haben wir Gründächer angelegt. Regenwasser wird in einer 20.000l-Zisterne gesammelt. Regenwasser wird auch sonst so viel wie möglich auf dem Gelände gehalten. Der gepflasterte Hof (Zufahrt zu Gewerbeeinheiten) hat einen Hofbaum (einheimischer Art – einen Feldahorn), die Parkplätze wurden überwiegend mit Rasengittersteinen gebaut.
Am Schlauchturm wurde ein Turmfalkenkasten installiert (der sofort angenommen wurde), in einem der Altbauten sind, wo es der Denkmalschutz erlaubt hat, Nisthilfen für Mauersegler in den Dachkästen eingebaut.

Erfahrungswerte

Hilfreiche Erkenntnisse & Lösungen

Erkenntnisse

  • Bauvorhaben

    Im Projekt sind Menschen mit verschiedensten Kompetenzen engagiert (einige Architekten, betriebswirtschaftliche und kaufmännische Erfahrungen, Marketing, Design und vieles mehr) was für die erfolgreiche Umsetzung wichtig war.

  • Prozessgestaltung

    Durch Menschen mit Erfahrungen zu soziokratischen Prozessen konnten Entscheidungen und Prozesse gut etabliert werden, auch wenn nicht immer alles klappt. Bei der Länge der Bauphase war und ist sehr viel Engagement nötig. Die Arbeitsgruppen und die Geschäftsführung arbeiten ehrenamtlich.

  • Involvierten Akteure und ihre Rolle im Prozess

    Die beauftragten Planungsbüros arbeiten eng mit der Gruppe zusammen. Teilweise waren Projektmitglieder (bereits schon vorher) in einem Planungsbüro angestellt. 
    Im regionalen Umfeld haben sich schnell Akteure gefunden, die gleiche Ziele und Wertevorstellungen haben. Ursprünglich war als ein Gewerbetreibender die EVG Biofrische, eine regionale Erzeuger- und Verbrauchergemeinschaft geplant. Dies konnte aus anderen Gründen nicht umgesetzt werden. Sie sind uns aber weiterhin verbunden. Für die Nutzung der Halle hat sich relativ schnell mit der Bürgermolkerei e.G. eine andere Kooperation (Gewerbemieter) ergeben. Hier soll regional erzeugte Milch zu Biokäse verarbeitet und auch regional vertrieben werden. Die Produktion ist als „gläserne Fabrik“ geplant, so dass für Schulklassen und andere Interessierte Einblicke in den Produktionsprozess ermöglicht werden.
    Relativ schnell hat sich die Zusammenarbeit mit der Ilmtal e.G. ergeben. Die Dachflächen der Halle wurden an sie verpachtet, der erzeugte Strom wird auf dem Gelände verbraucht.

  • Finanzierung

    Ursprünglich war geplant, die Wohnungen mit einer ISSP-Förderung (Innenstadt-Stabilisierungsprogramm) zu bauen. Trotz guter Kontakte zu Ministerien des Landes ist es uns nicht gelungen, die entsprechende Behörde (Thüringer Landesverwaltungsamt) zu überzeugen. Die Richtlinien des Förderprogramms waren nicht kompatibel nicht mit den Voraussetzungen, die unser Bauvorhaben mitgebracht hat.

  • Sonstiges

    Die Einbindung in das Mietshäuser Syndikat hatte zur Folge, dass wir auf einen reichen Erfahrungsschatz, persönliche, sachliche und finanzielle Unterstützung zurückgreifen konnten. Das bezieht sich auch auf die Mitglieder und Hausvereine, die dort organisiert sind.

   

Lösungen/Erfolgselemente

Die Stadtverwicklung ist aus dem Projekt hervorgegangen (auch bezüglich der dort handelnden Personen). Sie hat sich die Unterstützung von ähnlichen Projekten, die Quartiersentwicklung und gemeinwohlorientierte Ideen umsetzen wollen, zum Ziel gesetzt. 

Weiterführende Informationen

Zur Projekt-Website

Kontakt